Privat

 

Gewerbe

 

Seit 1663

 

Von Sensenhändlern, Bürofräuleins und einer langen Tradition:

350 Jahre KRAWANY!

Das kaiserliche Dekret

Die Geschichte der Firma Krawany begann vor 350 Jahren per kaiserlichem Erlass auf dem heutigen Mödlinger Freiheitsplatz Nummer 4. Damals wurde dem Bürger Mödlings, Georgen Khornreuter, durch das Verwilligungsdekret vom 12. April 1663 die Genehmigung zur Betreibung eines kleinen Eisenhandels erteilt. Dem Handel mit Sensen, Hauen, Sicheln, Krampen sowie Wein- und Strohmessern konnte er nun lebenslang nachgehen. Nicht nur Bauern, Drahtzieher, Drechsler, Schlosser und Hufschmiede zählten zu seinen Kunden, auch Werkzeuge für den Hausgebrauch waren zu erwerben.

Den richtigen Umgang mit Werkzeugen und Baumaterialien sowie zahlreiche Ratschläge rund um die Haushaltsführung konnte man im 17. Jahrhundert in der praktischen Hausväterliteratur nachlesen. „Des klugen und Rechtsverständigen Haus Vatters Buch“ ist ein umfangreiches Werk, verfasst von Franz Philipp Florinus. Darin findet sich Wissenswertes, um des leidgeplagten Haushaltvorstands Leben zu erleichtern. Folgendes Zitat aus jenem Buch vermittelt eine Vorstellung vom praktischen Umgang mit Baumaterialien im Jahre 1663:

„Unter dem Namen der Baumaterialien wird allerlei Zeug verstanden/woraus ein Bau besteht/nemlich Holz/Steine/Ziegel/Sand/Kalck/ und allerhand Metallen; welches alles bei Zeiten zur Stelle geschafft werden muß/damit wann man nun im Bau begriffen/darüber keine Hinderung vorfallen/sondern alles in einer richtigen Ordnung fein hurtig von statten gehen möge.“

Bereits wenige Jahrzehnte nach der Gründung der Eisenhandlung folgten schwere Zeiten, geprägt durch die zweite Türkenbelagerung 1683 und die sich bereits ab 1679 rasant ausbreitende Pestepidemie. Mit der Errichtung der Pestsäule in den Jahren 1714-1716 auf dem ehemaligen Kornmarkt, heute Freiheitsplatz, brachten die Mödlinger Bürger ihre Dankbarkeit für das Ende der Pest zum Ausdruck. Diese „Dreifaltigkeitssäule“ im Herzen von Mödling umringen bis heute die Geschäftslokale des Unternehmens Krawany.

Der Name Krawany

 

Der Beginn der Biedermeierzeit läutete eine neue Ära ein: Im Jahr 1818 komponierte Ludwig van Beethoven in Mödling seine “Missa Solemnis”, und die kleine Eisenhandlung war nun im Besitz von Khornreuters Nachfahren. Neben der kulturellen Blüte sorgte die Eröffnung der Südbahnstrecke 1841 für den Aufschwung des Mödlinger Stadtlebens und der Wirtschaft. Im Jahr darauf übernahm Franz Krawany das Geschäft von seinen Verwandten und übergab es schließlich nach 34 langen Jahren seinem Sohn. Kurz nachdem Mödling 1875 zur Stadt erhoben wurde, war Johann Krawany neuer Geschäftseigentümer. Seinen Namen trägt der Betrieb bis heute. Das Unternehmen am damaligen Kaiser-Franz-Joseph-Platz wuchs beständig, blieb aber auf den Handel mit Eisen und Eisenwaren sowie Brennmaterialien beschränkt.

Vom Pferdegespann zum Fiat Lastwagen

 

Im Jahr 1911 folgte Kommerzialrat Franz Xaver Krawany seinem Vater Johann als Eigentümer des Unternehmens. Drei Jahre später musste er seinen Militärdienst antreten. Man schrieb das Jahr 1914: Der erste Weltkrieg brach aus. Nach Jahren der Entbehrungen sollte die Firma jedoch bald mit neuen Abteilungen und zusätzlichem Sortiment in neuem Glanz erstrahlen. Bis 1924 wurden die Eisenvorräte per Pferdewagen aus Wien geholt: Die Fuhrwerke brachen stets um vier Uhr Früh in Mödling auf, um dann mit vier Tonnen Eisen beladen über das Kopfsteinpflaster des Wienerberges zurückzukehren. Die neuen technischen Möglichkeiten mit einem eigenen Gleisanschluss auf dem Mödlinger Bahnhof erleichterten schließlich die Transportwege enorm.

 

Im Jahr 1925 wurde in der Herzoggasse 1 eine Abteilung für Haus-, Küchen- und Gasthofeinrichtungen gegründet. Das Spezialgeschäft für Öfen, Herde und Möbel kam 1928 auf dem Kaiser-Franz-Joseph-Platz 9 hinzu. 1933 zählte die Betriebsbelegschaft neben den vier Töchtern Franz Krawanys noch fünf Verkäufer, vier Bürofräuleins, einen Lehrjungen, einen Laufburschen, zwei Kutscher, einen Chauffeur und einen Lagerplatzmeister. Inzwischen hatte auch die Motorisierung des Fuhrparks Einzug gehalten. Obwohl die Zeiten zunehmend schwieriger wurden, überstand das Unternehmen erfolgreich Inflation, Sturm und Krieg.

Unermüdlicher Aufbau

 

Doch der Krieg hinterließ seine Spuren: Im Jahr 1946 nahm mit Restbeständen der Eisenhandlung und einer kleinen Spielwarenabteilung der neuerliche Aufschwung des Unternehmens Krawany seinen mühevollen Anfang. Herta Eichinger, eine der vier Töchter Franz Krawanys, brachte die Firma mit ihrem Mann Georg sen. als Geschäftsführer durch diese schwierige Zeit. Der Auszug aus einem Brief Herta Eichingers an ihre Schwester legt eindrückliches Zeugnis der damaligen Lage:

 

„In der Küchenabteilung verkaufen wir Spielsachen und die bekannten Übergangsartikeln, denn Geschirr, Glas, Porzellan, Maschinen und Bestecke existieren noch nicht. Die Eisenhandlung lebt von der übrig gebliebenen Substanz. Gerade in dieser Branche sind wir von Lieferungen aus der anderen Zone abhängig, hauptsächlich Steiermark. Waren werden vor allem getauscht, die Küchenabteilung war vollkommen leer.“

 

Nach Jahren unermüdlicher Aufbauarbeit stellten sich die ersten Erfolge ein. Der Filialgründung in Mattersburg im Jahr 1949 folgten jene in Deutschkreutz und Neusiedl am See im Burgenland. In Mödling übersiedelte die Spielwarenabteilung vom Standort des heutigen Porzellangeschäftes auf den Freiheitsplatz 9. Das Handarbeitsgeschäft war nun eine eigenständige Abteilung. Für besonderes Amusement der Kunden wurde in den 70er Jahren gesorgt: Im Fasching ließ man in der Auslage der 1960 gegründeten Möbelabteilung eine leicht bekleidete Dame tanzen – und erregte mit dieser außergewöhnlichen Attraktion großes Aufsehen.

Erfolgreich über Jahrhunderte

1976 übergab Herta Eichinger ihrem Sohn Georg Eichinger eine erfolgreiche, weit über ihren ursprünglichen Rahmen hinaus gewachsene Firma. Stetig wurden der Eisen- und Baustoffhandel, unter anderem über Außendienstmitarbeiter, ausgebaut. Krawany als verlässlicher Partner für Industrie und Gewerbe spezialisierte sich auf seine Hauptkundengruppen: Spengler, Dachdecker, Zimmereien, Baufirmen, Trockenausbauer und Stahlbaufirmen. Um größeren Aufträgen für Gewerbe- und Privatkunden gerecht zu werden, wurde 1997 der gesamte Bereich für Baustoffe und Spenglerwaren von Mödling nach Wiener Neudorf ausgelagert. Dort bietet eine Fläche von 10.000 m2 Platz für ein großes, vielfältiges Produktlager sowie einen eigenen Fuhrpark.

Georg Eichingers Tochter Margareta und ihr Ehemann Marc Wilmink übernahmen 2003 die Geschäftsleitung. Sie setzen nun die Krawany-Tradition fort: mit bewährter persönlicher Atmosphäre im Betrieb, gewohnt kompetenter Kundenberatung und konstanter Weiterentwicklung des Unternehmens. Die Fachgeschäfte in Mödling wurden und werden laufend erweitert und modernisiert, der Geschäftsbereich für Gewerbekunden wird bis Ungarn ausgebaut.
Heute ist KRAWANY ein Begriff für Qualitätsprodukte, große Auswahl, fachliche Kompetenz sowie umfangreiche Serviceleistungen – und als gelb-grüner Fixpunkt aus der Mödlinger Stadtlandschaft nicht mehr wegzudenken.

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